Warum ist eigentlich FMEA und Risikomanagement (z.B. ISO 27005) in der Automobilindustrie von so zentraler Bedeutung? Diese Frage stellt sich wohl bei vielen Außenstehenden zu allererst. Um diese Frage zu beantworten muss man sich einfach einmal die Automobilindustrie genauer anschauen. Die Automobilindustrie vor allem in Deutschland eine sogenannte Schlüsselindustrie. Aber auch in den USA, Japan und Frankreich ist die Automobilindustrie von zentraler Bedeutung.
Warum Risikomanagement und FMEA besonders häufig in der Automobilbranche eingesetzt werden liegt zudem an der Anzahl von Prozessen und Abläufen welche nötig sind um das Produkt "Auto" zu fertigen. Hinzu kommt die Menge an Teilen, welche in den Werken zu einem Auto zusammengefügt werden. Diese Mange an Abläufen, Prozessen und Teilen, welche nötig sind um das Endprodukt "Auto" zu erstellen machen die gesamte Produktion anfälliger für Störfaktoren und Fehler, als beispielweise die Produktion andere Güter, welche aus weniger Einzelteilen bestehen.
Auch die Abhängigkeit der Automobilindustrie von den jeweiligen Zulieferer und Systemlieferanten ist enorm. Die fertige Qualität eines Autos ist also nicht alleine damit zu gewährleisten, dass beim Fahrzeughersteller selbst alles 100% perfekt läuft, sondern obliegt auch der Tatsache, dass die Zulieferer perfekte Ware liefern. Besonders in dieser langen Produktions- und Wertschöpfungskette liegen viele weiter Risikoquellen. Besonders dieser Gesichtspunkt macht ein umfangreiches Risikomanagement z.B. mit FMEA nötig.

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Das Qualitätsmanagement ein zentrales Thema in den Unternehmen und vor allem in der Automobilindustrie ist, ist nicht erst seit gestern bekannt. Ein Kernelement der Qualitätssicherung nach ISO 9001 ist auch die Analyse und Suche von potentiellen Risiken und Bedrohungen für die Qualität. Die letzte essentielle Änderung wurde im Jahre 2008 mit der Revision ISO 9001 : 2008 vorgenommen.
Risikomanagement und FMEA werden im Allgemeinen auch als vorbeugende Qualitätssicherung bezeichnet. Dies ist auch schlüssig. Warum sollte man warten bis ein Risiko zu einer tatsächlichen Gefahr geworden ist und erst dann reagieren?! Das Entwerfen von Szenarien zur Risikobekämpfung oder von Verfahren um Risiken ganz aus zu schließen wäre doch viel sinnvoller.
Auf der Seite Risikomanagement Schnittstellen haben wir bereits versucht auf zu zeigen, dass der Bereich Risikomanagement viele andere Themenkomplexe tangiert bzw. überschneidet. Dies führt dazu, dass in vielen Organisationseinheiten eines Automobilherstellers Wissen über Risiken vorhanden ist. Viele dieser Einheiten arbeiten auch Szenarien und Strategien aus um diese Risiken zu vermeiden bzw. das Risiko zu minimieren. Ein weiteres Merkmal der Automobil- Automotivindustrie ist auch die Größe dieser Unternehmen. Führende Unternehmen beschäftigen oft weit über 100.000 Mitarbeiter. Es ist deshalb essentiell, dass das Wissen über Risiken allen relevanten Organisationseinheiten und Entscheidern zur Verfügung steht. Der FMEA-Ansatz versucht deshalb das geballte Expertenwissen innerhalb der Automobilindustrie zu konzentrieren und zu erfassen.
Die Beweggründe der Automobilhersteller für ein umfangreiches Qualitäts- und Risikomanagement (z.B. mit FMEA) liegen auf der Hand. In wenigen anderen Branchen herrscht ein so hoher Kosten- und Wettbewerbsdruck wie in der Automobilindustrie. In wenigen anderen Industriezweigen definieren sich die Hersteller in diesem Maße über die Qualität der Produkte, wie in der Automobilindustrie. Bei wenigen anderen Produkten können die folgen eines Fehlers in der Produktion oder Entwicklung so verheerend sein, wie in der Automobilindustrie.
Das Kriterium Sicherheit ist bei den meisten Kunden, neben Image, welches auch über die Qualität geprägt wird, von entscheidender Bedeutung bei der Wahl eines Auto. Die Folge von Fehlern bzw. das nicht beachten von Risiken auf Seiten der Hersteller kann deshalb zu teuren und imageschädigenden Rückrufaktionen führen. Zudem verursacht das beheben von einmal eingetretenen Problemen mehr Kosten, als das konsequenten vermeiden von Risiken.